Gentechnikfreie Region Gießen
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Aktuelle Nachrichten


18.02.2009

Agrarministerin erwägt Anbauverbot

Aigner zweifelt am Gen-Mais

Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ist überraschend auf Distanz zur Gentechnik auf dem Acker gegangen und übt - allerdings ohne Nennung des Firmennamens - Kritik am US-Agrarmulti Monsanto: Aigner kündigte an, dass sie den einzigen in Europa zum regulären Anbau zugelassenen Gen-Mais Mon 810 im Zweifel verbieten lassen würde.

Der Berliner Zeitung sagte Aigner, beim Gen-Mais sei "kein Mehrwert erkennbar". Sie werde die "Zulassung von Mon 810 widerrufen", sollte sich herausstellen, dass der Hersteller sich nicht an die Vorgaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsmittelsicherheit gehalten habe. Das Monitoring soll den Anbau des Gen-Mais nach wissenschaftlichen Kriterien begleiten.


Bayern wird gentechnikfrei

Gleichzeitig unterstütze sie Ideen des bayerischen Umweltministers, ganz Bayern zur gentechnikfreien Zone zu erklären. "Inhaltlich", so die CSU-Politikerin, "unterstütze ich das voll und ganz". Leider gebe es EU-rechtlich kaum Spielräume. Sie suche aber "fieberhaft nach einer Lösung, die es einzelnen Regionen oder Ländern ermöglicht, sich auf freiwilliger Basis zur gentechnikfreien Zone zu erklären", sagte Aigner.

Bereits Horst Seehofer, Aigners Vorgänger im Amt des Landwirtschaftsministers, hatte Mon 810 wegen großer Zweifel an der Umweltverträglichkeit aus dem Landhandel verbannt. Die Intervention Seehofers war allerdings ein stumpfes Schwert: Er hatte sein Handelsverbot im April 2007 erlassen, just nach dem das letzte Saatkorn für die aktuelle Saison gerade verkauft war.

Seehofer hob das Vertriebsverbot ein halbes Jahr später wieder auf, nachdem Monsanto einen Plan zur Beobachtung der Umweltauswirkungen vorlegte hatte. Die Qualität des Plans ist umstritten, zumal dort als Beobachter genannte Institute wie das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung von Monsanto gar nicht gefragt worden waren.

Mon 810 ist in den EU-Ländern Österreich, Frankreich, Ungarn, Griechenland, Polen und Italien verboten oder mit einem Moratorium belegt. Die Länder stoßen damit aber in der EU-Kommission auf Widerstand. Deutschland hätte die Möglichkeit, sich auf die "Schutzklausel" in Artikel 23 der EU-Freisetzungsrichtlinie zu berufen: Danach kann ein EU-Land den Anbau untersagen, wenn aufgrund neuer Erkenntnisse von der Pflanze ein Umweltrisiko ausgeht.

Zu dieser Befürchtung geben mehrere aktuelle Studien aus Italien und Österreich Anlass: So hatte eine bislang beispiellose Langzeituntersuchung an Mäusen gezeigt, dass Nagetiere auf Dauer Probleme mit der Fortpflanzung bekommen, wenn sie gentechnisch veränderten Mais fressen.

Die Zulassung für Mon 810 ist inzwischen ausgelaufen, der Anbau allerdings zulässig, da eine Verlängerung beantragt wurde. Gleichzeitig prüft die EU die Zulassung der Maislinien 1507 und Bt 11 der Agrarkonzerne Pioneer und Syngenta. Diese Varianten produzieren nicht nur wie Mon 810 ein Insektizid, sondern sind gleichzeitig resistent gegen die Totalherbizide Basta und Liberty.

Der darin enthaltene Wirkstoff Glufosinat allerdings steht in wenigen Jahren nicht mehr zur Verfügung: Der Unkrautvertilger gehört zur Gruppe von 22 Stoffen, die nach der neuen EU-Pestizidgesetzgebung vom Markt verschwinden sollen: Krebserregende, erbgutschädigende und fortpflanzungsgefährdende Substanzen können danach keine neue Zulassung mehr erhalten.

FR-online.de 18.02.2009





29.01.2009

Das Geschäft der Agromultis

Eine Studie der Universität Gießen zur Akzeptanz von gentechnikfreien Lebensmitteln beim Verbraucher hat ein bizarres Thema wiederbelebt: Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde BLL, mit 500 Mitgliedern Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft, sieht sich durch die Studie in seiner Kritik an der seit Mai 2008 erlaubten Kennzeichnung mit dem Label "Ohne Gentechnik" bestätigt. Sie sei irreführend.

Kurz gefasst: Der Verbraucher erwarte, wenn "Ohne Gentechnik" auf Tüte und Packung draufsteht, auch keine Gentechnik enthalten ist. Dies ist allerdings nicht immer zu 100 Prozent eingelöst. Denn die jetzige Regelung, so verbraucherfreundlich sie gemeint war, enthält Kompromisse.
Tiere dürfen in ihren ersten Lebenswochen, also viele Monate vor dem Verzehr ihrer Produkte, mit Gen-Soja gepäppelt werden. Zudem dürfen mit Hilfe der Gentechnik hergestellte Arzneien verwendet werden, die selbst aber nicht gentechnisch verändert sind.

Es war das Ziel der gesetzlichen Veränderungen vom Mai, mit einigen Lockerungen überhaupt eine gentechnikfreie Ernährung von Rind, Schwein und Huhn zu ermöglichen, um dies zugleich auf dem Produkt, ob Schnitzel, ob Ei, ausloben zu können.

Bis dahin galten derart strenge Auflagen an die Kennzeichnung, dass in einer Nahrungswelt, in der es einen Schleier gentechnisch veränderter Organismen gibt, mit dem Vorzugsmerkmal "Ohne Gentechnik" praktisch nicht geworben werden konnte. Wer es dennoch tat, stand mit einem Bein im Knast.

Gäbe es die neuen Vorgaben nicht, dann könnte Campina seine Landliebe-Milch und Tegut sein Schweinefleisch nicht mit dem Label versehen und die dahinter stehenden Tiere würden Gen-Futter satt bekommen. Schlimmer: Es gäbe womöglich gar kein Soja gentechnikfreier Herkunft mehr, weil die Nachfrage nach gentechnikfreiem Soja aus Brasilien wegen zu strenger Vorschriften in Europa zusammengebrochen wäre. Die Gentechnik hätte gesiegt.

So gesehen, sagen die Grünen, betrieben der BLL und der Auftraggeber der Studie, die aus Steuergeld finanzierte Hessische Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen, das Geschäft von Monsanto und Co: Die Agromultis wollen die Gentechnik auch gegen den Verbraucherwillen durchsetzen.

Kein Wunder, dass die Grünen verlangen, Gutes aus Hessen die Landesgelder zu streichen: Die Firma unterminiere Anstrengungen engagierter Lebensmittelfirmen und Landwirte, auf die Gentechnik zu verzichten und stattdessen heimisches Futter zu verwenden.

FR-online.de 29.01.2009





23.01.2009

Gentechnik-Label verwirrt Verbraucher

Frankfurt a.M. Von der Kennzeichnung "ohne Gentechnik" erwarten Verbraucher den völligen Verzicht auf Gentechnik bei der Herstellung von Lebensmitteln - anders als die gesetzliche Regelung es vorsieht.

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Befragung der Universität Gießen von 1012 hessischen Verbrauchern. Den allermeisten Befragten sei nicht klar, dass der Hinweis "ohne Gentechnik" nicht den völligen Verzicht auf diese Technik bedeutet, sagte Prof. Roland Herrmann bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Auftraggeber der gezielten Befragung per E-Mail, an der im vergangenen Oktober Personen im Alter von 16 bis 59 Jahren teilnahmen, ist die Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen (MGH). Nach Angaben von Herrmann ist die Untersuchung die erste repräsentative Verbraucherbefragung zu diesem Thema.

Drei von vier Befragten meinten, Rind- oder Schweinefleisch dürfe das Label "Ohne Gentechnik" nicht tragen, wenn die Tiere erst in den letzten zwölf beziehungsweise vier Monaten kein Futter aus gentechnisch veränderten Bestandteilen bekommen haben. Seit der Novellierung des Gentechnikrechts im Frühjahr 2008 ist dies aber zulässig.

Knapp 80 Prozent der befragten Verbraucher tolerieren bei Lebensmitteln mit der Kennzeichnung "Ohne Gentechnik" keinerlei gentechnisch veränderten Bestandteile im Futter. Etwas größer ist die Akzeptanz von gentechnisch hergestellten Medikamenten: Den Verzicht auf solche Mittel erwarten nur 65 Prozent von einem "Ohne Gentechnik"-Produkt.

Bei der allgemeinen Einstellung zur Gentechnik dominiert nach dem Ergebnis der Befragung nach wie vor die kritische Haltung. Mehr als die Hälfte der Befragten äußerten sich besorgt über Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit.

Gut 90 Prozent der Befragten haben sich schon einmal Gedanken über den Einsatz von Gentechnik in der Nahrungsmittelerzeugung gemacht, das Label "Ohne Gentechnik" ist aber den meisten unbekannt - nur 27 Prozent gaben an, es schon einmal gesehen zu haben.

Für MGH-Geschäftsführer Peter Klingmann zeigt das Ergebnis der Befragung, dass die Verbraucher die geltende Regelung nicht akzeptieren. Den Landwirten empfiehlt er, zur Klarstellung ergänzende Hinweise wie "keine Fütterung von gentechnisch veränderten Organismen in der Mast". Zwar habe die neue Kennzeichnungsverordnung mehr Transparenz zum Ziel, sie habe aber auch Fachleute verwirrt.

Für Greenpeace ist die Verordnung dagegen ein Fortschritt. "Die 'Ohne Gentechnik'-Kennzeichnung bringt die lang ersehnte Entscheidungsfreiheit für Verbraucher bei Milch, Eier und Fleisch", sagte Greenpeace-Agrarexperte Alexander Hissting.

Alle so gekennzeichneten Lebensmittel seien völlig frei von gentechnisch veränderten Zutaten. Auch bei der Fütterung werde auf Gen-Pflanzen verzichtet, entweder während der Mast wie bei Schweinen oder sogar während der gesamte Lebensdauer wie bei Hähnchen.

Nach Erwartungen von Greenpeace werden künftig immer mehr Hersteller entsprechend gekennzeichnete Produkte anbieten, damit würden immer weniger gentechnisch veränderte Pflanzen verarbeitet. Hissting mahnte jedoch eine bessere Information der Verbraucher über die Bedingungen für das Label an. (dpa)

FR-online.de 23.01.2009





28.12.2008

Gentechnik nützt Kunden nichts

Für den Verzicht auf den Anbau von Gen-Pflanzen in und in der Nähe von ökologisch sensiblen Gebieten hat die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, plädiert. Jessel sagte zur Frankfurter Rundschau: "Ich halte es für notwendig, dass insgesamt Naturschutzgebiete, Nationalparks und Natura-2000-Gebiete sowie Gebiete, die für den Erhalt geschützter und seltener Arten von Bedeutung sind, vom Anbau transgener Pflanzen freigehalten werden." Dies sei aus Vorsorgegründen nötig.

Die oberste Naturschützerin der Nation bedauert, dass es derzeit keine europa- oder auch nur bundesweit geltenden besonderen Schutzabstände zwischen den Refugien und den Gen-Feldern gibt. "Das ist aus unserer Sicht ein deutliches Manko." Nach der jüngsten Entschließung der EU-Umweltminister von Anfang Dezember aber halte sie aber generell Anbau-Verbote am Rande sensibler Gebiete für "durchaus umsetzbar".

Die BfN-Präsidentin forderte zudem die Bundesländer auf, die jüngst in Brandenburg gemachten Vorgaben zu übernehmen. Dort waren Mindestabstände von 800 Meter zu Naturschutzarealen eingeführt worden. Zuvor hatte eine Studie gezeigt, dass der Mais-Pollen mit seinem Insektizid "wesentlich weiter als bisher vermutet - mehr als einen Kilometer - verfrachtet" werde. "Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Länder dem Beispiel Brandenburgs folgen."


Jessel, die das Bundesamt seit November 2007 leitet, fordert Maisbauern auf, den in Europa zugelassenen Gen-Mais nur dort auszubringen, wo es einen besonders starken Schädlingsbefall gebe.

Der derzeit auf dem EU-Markt befindliche Gen-Mais produziert fortwährend Insektizide gegen Schädlinge wie Maiszünsler und Maiswurzelbohrer, so die Professorin. Diese ließen sich aber auch mit der Einhaltung von Fruchtfolgen und einer mechanischen Bodenbearbeitung - also ohne Spritzmittel - unter Kontrolle halten. Jessel wies zudem darauf hin, dass es für den erst vor kurzem in einige Teile Deutschlands eingewanderten Maiswurzelbohrer auf konventionellem Weg gezüchtete widerstandsfähige Sorten gebe. Jessel: "Die Gentechnik hat kein Monopol auf resistente Pflanzen."

Demgegenüber gebe es Untersuchungen über die Umweltauswirkungen von Genpflanzen, "die in der Tat bedenklich stimmen". Pollen, der von Gen-Mais-Feldern in die Nachbarschaft geweht werde, könne seltene Schmetterlinge schädigen. Die Präsidentin verweist auf US-Studien, wonach sich Köcherfliegenlarven früher sterben und ein geringeres Wachstum hätten. Jessel: "Das hauptsächliche Risiko beim Anbau von Genpflanzen liegt darin, dass wir über die tatsächlichen Auswirkungen auf die Natur noch zu wenig wissen."

Auch neue toxikologischen Studien aus Österreich und Italien, zeigten, dass "bei mit Genmais gefütterten Mäusen Fortpflanzungsfähigkeit und Immunabwehr geschädigt werden können". Derartige Versuche "unterstreichen, dass längerfristige Untersuchungen, wie Mehrgenerationen-Tests notwendig sind, um die Sicherheit von transgenen Pflanzen zu überprüfen."

Jessel hat grundsätzliche Zweifel am Nutzen der Gentechnik auf dem Acker. "Für die Verbraucher haben die bisher auf dem Markt befindlichen gentechnisch veränderten Pflanzen bislang weder die Preise gesenkt noch wurden gesündere Lebensmittel produziert." Überdies hätten "auch auch nach mehr als 15 Jahren intensiver Forschung mit Methoden der Gentechnik entwickelte stresstolerante Pflanzen sowie Pflanzen mit höheren Erträgen noch nicht bis zur Marktreife geführt".

Das sei auch "nicht verwunderlich", da Hitze- oder Trockenresistenz komplexe Eigenschaften darstellen. "Zudem gibt es schon heute interessante Alternativen." Insbesondere in Entwicklungsländern stünden traditionelle Anbaumethoden und angepasste Pflanzen zur Verfügung, die auch unter klimatisch ungünstigen Bedingungen eine Versorgung sichern können. Jessel: "Hier steckt viel Potenzial, das ausgebaut werden kann und muss." Gerne werde übersehen, dass Ertragssteigerungen in der Intensivlandwirtschaft durch einen hohen Input an Pflanzendünger, chemischen Bekämpfungsmitteln und fossilen Brennstoffen erkauft werden. Das BfN setzt sich deshalb für eine naturverträgliche Landwirtschaft, wie den ökologischen Landbau, ein. Ziel müsse es sein, insbesondere kleinbäuerliche Strukturen zu stützen.

FR-online.de 28.12.2008





12.02.2009

Bauernchef Sonnleitner für Gen-Mais Anbau-Verbot



Bauernpräsident Gerd Sonnleitner bekennt Farbe: In einem Schreiben an den bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner verlangt Sonnleitner, den Anbau der einzigen in Europa für die Saat zugelassenen Gen-Maissorte, Mon 810, zu verbieten.

Es bestünden "Unsicherheiten" beim Anbau. Die Forderung solle "möglichst rasch" umgesetzt werden. Sonnleitner, der neben dem deutschen auch den bayerischen Bauern vorsteht, setze damit den Beschluss der Kreisobmänner seiner Organisation um, interpretiert der bayerische Vize-Generalsekretär Georg Wimmer die "politische Forderung" Sonnleitners.

Unterdessen zeichnet sich ab, dass deutsche Bauern den Gen-Mais-Anbau in diesem Jahr nicht weiter ausdehnen, sondern 2009 weniger Mon 810 als im Vorjahr ausbringen. Darauf lassen die Anmeldezahlen des öffentlichen Standortregisters schließen.

So wurden bisher 3644 Hektar gemeldet, zum gleichen Zeitpunkt 2008 waren es aber 4500 Hektar. Insgesamt säen deutsche Bauern Mais auf einer Fläche von zwei Millionen Hektar, Gen-Mais macht demnach gerade 0,15 Prozent aus.

Quelle: FR-online.de 12.02.2009




17.12.2008

BUND-Studie zur Gentechnik

Wunderpflanzen gibt es nicht


Die Agroindustrie wird nicht müde zu behaupten, dass die Gentechnik geeignet sei, um dürre-, hitze-, kälte- oder salzresistente Pflanzen zu kreieren. Doch nicht an den Wunderpflanzen arbeiten die Konzerne nach einer BUND-Studie, sondern wie gehabt an Pflanzen, die ihren Unkrautvertilgern Stand halten.

Die Gentechnik könnte, glaubt man den Konzernen, nicht nur im Kampf gegen den Hunger in den von Trockenheit geplagten Zonen Afrikas ein Heilsbringer sein. Sie wäre zugleich ein wesentliches Instrument zur Lösung der Folgen eines bevorstehenden Klimawandels. Die Pflanzen, ob Weizen, Reis oder Mais, würden der globalen Erwärmung mit einer parallel einhergehenden Wüstenbildung trotzen.


Den Behauptungen zufolge könnte obendrein mit den Gen-Pflanzen der wachsende Ernährungsbedarf abgedeckt, die Welt mit Sprit vom Acker beliefert und mit maßgeschneiderten Pharmapflanzen versorgt werden.


"Eine gewaltige PR-Blase"

Doch diese vollmundigen Thesen scheinen sich als äußerst fragwürdig und zu phantasievoll zu erweisen. Für den Bund für Umwelt und Naturschutz BUND hat die Sozialwissenschaftlerin Ute Sprenger in einer Studie nachgewiesen, dass die Konzerne in puncto Gentechnik an vielem ernsthaft arbeiten und einiges auch bald auf den Markt bringen werden. Doch das Gros dieser Kreationen stelle lediglich eine Wiederholung längst bekannter und lediglich verbesserter neuer Pflanzeneigenschaften dar.

Sprenger und die Gentechnik-Expertin des BUND, Heike Moldenhauer, werfen den Konzernen vor, eine "gewaltige PR-Blase aus Heilsversprechungen aufzubauen". Schlimmer noch: Die neuen Gen-Pflanzen der sechs Agro-Giganten, Monsanto, BASF, Syngenta, Bayer, Dow und DuPont-Pioneer, sicherten mit den Neuentwicklungen lediglich ihr Kerngeschäft ab: Und das besteht im Absatz von Agro-Chemikalien wie Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden.

"Das sind altbekannte Forschungen", sagt auch BUND-Chef Hubert Weiger. "Den Unternehmen geht es am Ende nur darum, mehr Pestizide zu verkaufen als bisher". Zwar gebe es Forschungen auch mit Pflanzen, die Trockenheit besser vertragen und höhere Erträge versprechen, sagt Weiger. Doch diese Projekte würden nach Erkenntnissen des BUND nicht mit hoher Priorität verfolgt und hätten zudem ungewisse Erfolgsaussichten.


Kombination mit Spritzmitteln

Die sechs Giganten des Marktes erwirtschafteten den Löwenanteil ihres Umsatzes mit chemischen Spritzmitteln. Ihr vorrangiges Interesse sei deshalb, herbizidresistente Pflanzen und die dazugehörigen Spritzmittel in Kombination zu verkaufen.

Das gelte auch für die seit 1996 genutzte Roundup-Ready-Sojabohne von Monsanto, der bisher einzigen kommerziell genutzten Gensoja-Sorte. Vergleichbare Sorten wie LibertyLink-Soja, Dicamba-Soja, 2,4-D-Soja, Imidazolinon-Soja und vermutlich auch "Super-Sojabohnen", die gegen sämtliche gängigen Herbizide resistent sein sollen, würden andere Hersteller in Kürze auf den Markt bringen.

In allen Fällen würden die Soja-Sorten gemeinsam mit dem jeweils dazugehörigen Herbizid verkauft, sagt Weiger. Damit würden alle sechs Konzerne das von Monsanto in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelte Konzept, herbizidresistente Pflanzen und das dazu gehörige Unkrautvernichtungsmittel im Doppelpack zu verkaufen, "ausreizen".


"Chemische Aufrüstung der Landwirtschaft"

"Mit Hochtouren" würden die Firmen lediglich an einem Problem arbeiten: Denn Unkräuter drohten gegen die eingesetzten Herbizide wie Roundup immun zu werden, Insekten, die mit dem in die Pflanze eingebauten Killer getroffen werden sollen, zeigten sich zunehmend gegen den Bacillus thuringiensis widerstandsfähig. Mit einem Resistenzmanagement, mit Saaten, die verschiedenen chemischen Wirkstoffen trotzen, wollen die Konzerne dieses Problem in den Griff bekommen.

Die Folge, wie sie die BUND-Gentechnikexpertin Moldenhauer sieht: Kommen all diese Sorten demnächst auf den Markt, stehe die Welt "vor einer chemischen Aufrüstung der Landwirtschaft". Doch diese neuen Produkte hätten nichts mit den Versprechungen der Konzerne zu tun, den Hunger der Welt zu bekämpfen.

Stattdessen werde versucht, mit nicht belegbaren Behauptungen, "mit Vehemenz und viel Geld" für die "Akzeptanz einer Technologie zu werben", die eine klare Mehrheit der Bevölkerung ablehne. Das ist , so Sprenger in ihrer Studie, "eine massive Täuschung der Öffentlichkeit".


FR-online.de 17.12.2008





03.12.2008

Konferenz der Gentechnikfreien Regionen: EU-Umweltminister müssen das Recht auf gentechnikfreie Regionen absichern

Das Netzwerk der Gentechnikfrei-Bewegung wird immer stärker: BäuerInnen und Bauern, Imker, Ärzte, VertreterInnen des Lebens- und Futtermittelhandels, von Bioverbänden, von Medien, Politik, Verwaltung, Natur- und Umweltschutz, Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit und Kirchen arbeiten zusammen, um den unabschätzbaren Wert der gentechnikfreien Landwirtschaft zu erhalten und die systematische Verunreinigungsstrategie der Gentechnikindustrie zu unterbinden. Anlässlich der dritten Konferenz der gentechnikfreien Regionen am Bodensee vom 26.-28.11.2008 in Bregenz informierten sie sich über aktuelle Entwicklungen der Gentechnikfreien Initiativen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. In zahlreichen hochrangig besetzen Gesprächsforen und Workshops wurden Erfahrungen ausgetauscht und weiterführende Umsetzungsstrategien erörtert. Für die Bodensee-Bewegung ist das Recht auf eine gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung unverzichtbar. Die Konferenzteilnehmer fordern von den EU-Umweltminister klare Beschlüsse: die Reinhaltung des Saatgutes, die eindeutige Produktkennzeichnung, eine deutliche Verbesserung der Umweltrisikobewertung, die Benennung der sozialen und ökonomischen Auswirkungen. Das Recht der Regionen auf einen gentechnikfreien Anbau müssen die EU-Umweltminister garantieren und absichern.

* Konferenz der gentechnikfreien Regionen: Erklärung der 3. Konferenz der Gentechnikfreien Regionen am Bodensee
http://db.zs-intern.de/uploads/1228142805-08_11_29_konferenz_gtfreie_regionen_erkl%C3%A4rung.pdf

* Infodienst: Gentechnikfreie Regionen
http://www.keine-gentechnik.de/bibliothek/gf-regionen.html





20.06.2008

Kanadischer Landwirt warnt die deutschen Bauern
Percy Schmeiser, Träger des alternativen Nobelpreises, referierte beim Bündnis Gentechnikfreie Zone Gießen - "Schlimmster Anschlag auf Leben"

KREIS GIESSEN (cvg).
Er ist Träger des alternativen Nobelpreises und inzwischen wie David gegen Goliath eine Ikone des weltweiten Widerstands gegen die Herstellung und Anwendung gentechnisch veränderter Organismen: Der kanadische Landwirt Percy Schmeiser.

Auf seiner Tour durch Deutschland war der Botschafter in Sachen gentechnikfreier Landwirtschaft auch auf dem Hof des Biobauern Renz Hornischer, auf Einladung des Bündnisses Gentechnikfreie Zone Gießen. Hornischer erklärte, das Thema Gentechnik habe ihn wie viele Landwirte erst gar nicht berührt.
Dies habe sich seit den Freilandversuchen der Uni Gießen 2006 grundlegend geändert.
Schmeiser skizzierte in trockenen aber einprägsamen Worten seinen Kampf gegen den Chemie-Konzern Monsanto, zu dessen Geschäftsfeldern sowohl die Pflanzenzucht als auch die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln gehören. "Ich kann Ihnen nicht sagen, was Sie tun sollen, nur, was mir geschehen ist. Aber Sie können Ihre Schlüsse daraus für sich selbst ziehen", stellte der Rapsanbauer fest.

Schmeiser war 1998 mit dem Konzern aneinandergeraten, weil er dessen Patente verletzt haben sollte. Dadurch, dass von den Feldern seines Nachbarn Raps auf seine eigenen Felder geraten war. Dieser Nachbar hatte gentechnisch veränderten Raps von Monsanto angebaut, nachdem 1996 dazu in Kanada der Einsatz der sogenannten GVO erlaubt war.
Der Streit zwischen Bauer und Agrarkonzern zog sich bis in die jüngste Zeit bis zum höchsten kanadischen Gericht, dem Obersten Gerichtshof. Inzwischen hat Monsanto eingeräumt, Schmeiser geschädigt zu haben und zahlte ihm nach einem außergerichtlichen Vergleich im März eine Entschädigung. Monsanto hatte bestätigt, für die neuerliche Kontamination Schmeisers Felder mit gentechnisch verändertem Raps verantwortlich zu sein.

"Inzwischen ist es so, dass wir in Kanada keinen gentechnikfreien Raps mehr haben, weil eine Koexistenz von gentechnikfreien und gentechnisch veränderten Pflanzen einfach nicht möglich ist."
Zum Verkauf kanadischen Rapshonigs auf dem deutschen Markt stellte Schmeiser fest, dass sofern dieser laut Etikettenbezeichnung tatsächlich aus Kanada stamme, dann aller Wahrscheinlichkeit nach gentechnisch verändert sein müsse.

"Kanada hat sehr viel große Farmen, Was passiert auf kleineren Flächen wie bei Ihnen? Ich konnte nicht glauben, was Monsanto den deutschen Bauern sagte. Sie hätten immer die Auswahl zwischen gentechnikfreiem Saatgut und GVO-Saatgut. Die haben sie nicht." In Kanada sei inzwischen ein aggressives Superunkraut auf dem Vormarsch, das sogar in Städten Fuß fasse. Die Agrochemie habe dafür nur den Kommentar übrig, man wolle mit einem Supergift dagegen vorgehen.
Der Einsatz von Chemikalien sei in Kanada in die Höhe gegangen, mittlerweile fünfmal soviel wie sonst üblich. "Die Konsequenzen der Verwendung von GVO sind weniger Erträge, weniger Rechte und mehr Krankheiten.
Unsere Honigindustrie ist fast komplett zerstört. Viele Bienenvölker sind gestorben", stellte Schmeiser fest. Es sei der schlimmste Anschlag auf Leben, den wir auf der Erde gesehen haben.

Wie die Lage im Kreis Gießen inzwischen ist, schildert Bündnis-Sprecherin Andrea Hager: "Auf rund 3000 Hektar wird es keine GVO geben, 37 Landwirte haben inzwischen die Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben.

Manfred Paul, heimischer Bauernverbandsvorsitzender unterstrich, dass mit der praktischen Landwirtschaft kein GVO-Einsatz möglich sei.
Oswald Henkel, Vorsitzender der hessischen Direktvermarkter, warnte Verbraucher und Landwirte vor einer neuen Form der Leibeigenschaft durch die Abhängigkeit von Konzernen.

Gießener Anzeiger



18.06.2008

Alternativer Nobelpreisträger warnt vor Gentechnik

Reiskirchen (agl). »Warum will man gentechnisch veränderte Pflanzen in Europa einführen, wenn wir das in Kanada stoppen?«, fragte Percy Schmeiser, als er am Mittwochnachmittag auf dem Hof von Renz Hornischer in Ettingshausen von seinem Kampf gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft berichtete.

Rund 30 Zuhörer - darunter Kommunalpolitiker und Landwirte - hörten seinen Bericht über seinen mühsamen Weg durch die juristischen Instanzen. Der Gast aus Übersee stand als Farmer und Saatgutzüchter vor verschiedenen Gerichten dem international tätigen Saatgutunternehmen Monsanto gegenüber. Letztendlich errang er einen Sieg und erhielt 2007 den alternativen Nobelpreis.

»Ich möchte mich für Ihren Mut und Ihren unerbittlichen Kampf gegen einen übermächtigen Agrarkonzern bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern bedanken«: Mit diesen Worten begrüßte Andrea Hager vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisverband Gießen, den Gast. Der BUND gehört zu der Initiative, die eine »Gentechnikfreie Region Kreis Gießen« anstrebt und zu der gestrigen Veranstaltung eingeladen hatte.

1998 hatte gentechnisch veränderter Samen von Monsanto Schmeisers Rapsfeld verunreinigt. Monsanto forderte Schadensersatz von dem Farmer. Die Begründung: Monsanto habe das Patent auf das Saatgut und somit auf die Pflanzen, die daraus entstehen. Die Befürchtung des Landwirtes: Über 50 Jahre gezüchtetes Saatgut ist nun belastet. Die ungleichen Kontrahenten trugen ihre Auseinandersetzung vor dem kanadischen Bundesgerichtshof aus. »Was der Richter sagte, ist der Grund dafür, dass dieser Fall über Nacht weltweit bekannt wurde«, rekapitulierte Schmeiser. Dem Urteil zufolge besitze der Farmer das Saatgut nicht mehr, wenn - egal auf welchem Wege - ein Feld verseucht werde. Die Rapsernte des Jahres sei in den Besitz von Monsanto übergegangen, und die Familie Schmeiser durfte ihr ursprünglich eigenes Saatgut nicht mehr verwenden. Schmeiser gab nicht auf, kämpfte sich bis vor den Obersten Gerichtshof. Monsanto erhielt Recht. Das Unternehmen habe das Patent auf das Gen, auf die Lebensform. Aber wo hört das Patent auf eine Lebensform auf, bei einem Vogel, bei einem Menschen? Diese Frage, die Schmeiser gestern vortrug, hatte der Oberste Gerichtshof an das Parlament verwiesen. Vor zwei Jahren habe Monsanto Schmeisers Farm erneut kontaminiert. Daraufhin verklagte der Landwirt das Weltunternehmen. Mit Erfolg, denn für den Schaden, der durch die Belastung aufkam, musste der Verursacher zahlen. Dies sei »ein großer Sieg für Farmer überall auf der Welt«, unterstrich Schmeiser.

Er warnte vor den Folgen der Gentechnik: Die veränderten Organismen seien nicht zu kontrollieren, verbreiten sich auf weite Flächen, bringen gesundheitsschädliche Nahrung hervor und weniger Ertrag; sie benötigen wesentlich mehr chemische Behandlung und verringern die Artenvielfalt. Die Honigindustrie Kanadas sei fast komplett zerstört worden, denn: »Die Biene weiß nicht, welche Pflanze genetisch verändert ist und welche nicht.« Schmeisers Fazit: »Sie haben noch eine Wahl.« In Kanada gebe es die nicht mehr. Raps und Soja seien dort nur noch gentechnisch verändert vorhanden.

© Gießener Allgemeine 2008 - www.giessener-allgemeine.de




12.06.2008
Die Gentechnikfreie Region Landkreis Gießen und Landrat Willi Marx empfangen Percy Schmeiser am 18. Juni

die Initiative „Gentechnikfreie Region Kreis Gießen“ freut sich, den Landwirt und Träger des alternativen Nobelpreises Percy Schmeiser in Reiskirchen zusammen mit Landrat Willi Marx, interessierten Landwirten, Kreistagspolitikern und Bürgermeistern begrüßen zu können.

Wir laden Sie zur Empfangsfeier mit Pressegespräch am

Mittwoch, den 18.06.2008 um 15.00 Uhr
auf dem Hof von Renz Hornischer,
Flugplatzstraße12, 35447 Reiskirchen,

sehr herzlich ein.

Nach der Begrüßung haben Sie Gelegenheit auch einige Produkte der gentechnikfreien Betriebe zu kosten.



30.04.2008
Gentechnik macht sich vom Acker

VON PITT VON BEBENBURG
Frankfurter Rundschau

In Hessen sollen keine genveränderten Pflanzen angebaut werden. Dafür hat sich der Landtag am Dienstag auf Antrag der Grünen ausgesprochen. "Die gentechnikfreie Landwirtschaft ist ein Standort- und Vermarktungsvorteil für Hessens Landwirte, der nicht verspielt werden darf", heißt es in dem Beschluss. Er wurde, wie im Landtagsplenum vereinbart, mit einer Abstimmung im Umweltausschuss getroffen.

SPD und Linke votierten mit den Grünen für den Antrag. Nur die FDP lehnte ihn vollständig ab. Ihr Abgeordneter Heinrich Heidel nannte ihn "absolut zukunfts- und technologiefeindlich". Hessen dürfe bei der grünen Gentechnik "nicht den Anschluss verlieren".

Die CDU hingegen unterstützte die Aufforderung an den Agrokonzern Monsanto, seine Pläne zum Anbau von Gen-Mais in Wabern-Niedermöllrich aufzugeben. Bei anderen Passagen enthielten sich die Unions-Abgeordneten oder stimmten mit Nein.

Der Landtag begrüßte die tags zuvor getroffene Entscheidung der Universität Gießen, nach starken Protesten in diesem Jahr keine gentechnisch veränderten Maissorten in Groß-Gerau anzubauen. "Die Verbraucher wollen einen anderen Weg", betonte die Grünen-Umweltpolitikerin Ursula Hammann.

Die Landesregierung soll nach dem Beschluss bald in einem "Aktionsplan" beschreiben, wie sie Hessens Landwirtschaft von Gentechnik freihalten will. Auf jeden Fall soll sie "ihre Zustimmung für den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen auf allen landeseigenen Flächen verweigern".

Auch die CDU will es Verbrauchern ermöglichen, Lebensmittel ohne Gentechnik zu kaufen. Notwendig sei dafür eine bessere Kennzeichnungspflicht, heißt es in ihrem Antrag, der zu spät eingebracht und deswegen am Dienstag nicht mehr abgestimmt wurde. Zudem fordert die Union "eine verstärkte Förderung des Landes für die Vermarktung gentechnikfreier Lebensmittel".

Anders als die linke Parlamentsmehrheit erteilt die CDU der grünen Gentechnik in Hessen aber keine generelle Absage. "Forschungsaktivitäten mit gentechnisch veränderten Pflanzen" müssten "auch zukünftig möglich sein", befindet die Union.



29.04.2008

Genmais-Versuch abgesagt

Groß-Gerau Universität Gießen beugt sich dem Protest / Besetzer der Aussaatfläche angezeigt

VON MADELEINE RECKMANN
Frankfurter Rundschau

Die Justus-Liebig-Universität Gießen wird in diesem Jahr auf dem Versuchsfeld am Groß-Gerauer Woogsdammweg keine gentechnisch veränderten Maissorten aussäen. "Bei dem gegebenen Widerstand vor Ort und dem politischen Umfeld sind die Wertprüfungen nicht wie vorgesehen durchzuführen", teilte die Hochschulleitung gestern mit.

Wolfgang Friedt, Leiter des Instituts für Pflanzenanbau und Pflanzenzüchtung der Uni, ist gestern Abend nach Groß-Gerau gereist, um den Menschen, die das Anbaugelände seit Freitag besetzen, die Entscheidung mitzuteilen. "Wir haben ein ganz relaxtes Gespräch geführt", sagte ein Sprecher der Besetzer, "wir haben zugesagt, das Feld nach dem Mai-Feiertag zu verlassen". Zunächst möchten sie jedoch mit den Groß-Gerauern besprechen, wie der Protest aufrechterhalten werden kann.

Für die Aktivisten ist die Aktion ein Erfolg. "Hessen ist jetzt gentechnikfrei", sagte der Sprecher. In diesem Frühjahr hätten die Kritiker auf vier Standorten den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verhindert. Sie befürchten, dass sich die Samen unkontrolliert ausbreiten.

Die Aktivisten, die sich keiner Organisation zurechnen, haben am Wochenende ihr Zeltdorf um zwei Türme, ein Zirkuszelt und eine kleine Küche auf dem Feld erweitert. "Der Zuspruch der Bevölkerung ist enorm", berichtet einer der Gentechnik-Gegner der FR. Die Menschen aus der Region würden etwa 20 Protestlern Essen und Trinken vorbeibringen. Die Grüne Jugend rief zu Treffen auf dem Feld auf, eine Musikband plane einen "gentechnikfreien Tanz in den Mai", der nun zu einem großen Jubelfest werden soll.

Zahlreiche Parteien und Verbände, darunter die Grünen, die Linke Liste im Kreis Groß-Gerau und das evangelische Dekanat, unterstützen die Aktion. Landrat Enno Siehr (SPD) begrüßte es, dass die Universität die Versuche stoppen möchte.

Die Uni verbindet den Versuchsstopp mit der Aufforderung an die Aktivisten, das Feld zu räumen. Sollten sie dem nicht nachkommen, werde die Hochschule die Räumung gerichtlich durchsetzen. Sie habe gegen die Besetzer bereits Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gestellt, teilte die Uni mit.


Konflikt auf dem Maisfeld

Am Montagmittag haben Aktivisten mit einer Sitzblockade verhindert, dass Mitarbeiter der Versuchsstation mit den Arbeiten begannen. Dabei habe der Traktorfahrer einen der Demonstranten leicht verletzt, teilten die Besetzer mit. Die Besetzer hinderten die Mitarbeiter jedoch nicht an der Aussaat nicht gentechnisch veränderter Maissorten. "Wir haben uns die Saattüten zeigen lassen", sagte ein Aktivist, "wir vertrauen darauf, dass auch das drin ist, was drauf steht".

Auf dem Feld sollten etwa 120 Sorten getestet werden, darunter etwa zwölf gentechnisch veränderte. Wie die Uni mitteilt, ist die verwendete Variante MON 810 seit zehn Jahren von der Europäischen Union genehmigt.





22.02.2008

Angst vor der Abhängigkeit von wenigen Konzernen

(Quelle: Gießener Anzeiger)

Forum Gentechnikfreie Region Gießen hatte Zulauf in Eberstadt - "Sie sollten sich den Futtermittelsack oder Saatgetreide vor dem Öffnen gut ansehen"

KREIS GIESSEN (cvg). Im Grunde sind es immer wieder die gleichen Schritte, mit denen ein Landwirt zu tun haben sollte: Er bereitet den Acker vor, sät oder pflanzt, bringt die Ernte ein und behält sich für die Nachzucht, für die Wiederaussaat Getreide oder Pflanzkartoffeln zurück. Eigentlich sollte es so funktionieren, tut es heute aber nicht mehr unbedingt, nämlich dann, wenn der Bauer plötzlich patentiertes Saatgut auf seinem Hof stehen hat, das möglicherweise noch gentechnisch verändert ist.
"Wir treiben, wenn wir nicht aufpassen, hier in eine ganz starke Abhängigkeit von den wenigen Konzernen, die es im Saatgutgeschäft und bei den Pflanzenschutzherstellern noch gibt", klärte der Kasseler Agrarwissenschaftler Dr. Christian Schüler während einer Informationsveranstaltung des Forums Gentechnikfreie Region Gießen im Restaurant Pfaffenhof in Lich-Eberstadt auf.

Für seine Einschätzung erntete der Wissenschaftler weitestgehende Zustimmung bei den Landwirten, die erschienen waren, um etwas über die Vor- und Nachteile des Einsatzes gentechnisch veränderter Organismen in der Landwirtschaft zu erfahren.

Die Veranstaltung hatte vor dem Hintergrund des seit Januar diesen Jahres geltenden neuen Gentechnikgesetzes stattgefunden.
Davon, dass der Einsatz gentechnisch veränderten Futtermittels, überhaupt gentechnisch veränderter Pflanzen nur jede Menge ökologische, gesundheitliche, juristische, wirtschaftliche und soziale Konflikte mit sich bringe, berichtete ebenfalls der Vogelsberger Landwirt Dr. Peter Hamel.
"Ich habe in Gießen Landwirtschaft studiert, war ehedem der Gentechnik in Landwirtschaft gegenüber positiv eingestellt", erklärte Hamel. Seine Promotion habe er über Genmarkern bei Schweinen gemacht. "Ich war überzeugt, dass man mit der Gentechnik den Hunger in der Welt beseitigen könnte, für ertragreiche sichere Ernte und genügend Fleisch sorgen könnte", bekannte Hamel.
Einschneidende Erlebnisse mit Vertretern der Agrarindustrie hätten allerdings einen Gesinnungswandel bei ihm ausgelöst. Resultat dieses Sinneswandels ist unter anderem die Aktion "Zivilcourage für den Vogelsberg", die Hamel gemeinsam mit anderen unzufriedenen Landwirten und Verbrauchern vorantreibt.
Ein Teilergebnis dieser Arbeit sei die inzwischen deutschlandweit größte Einkaufsgemeinschaft für gentechnisch nicht verändertes einwandfreies Saatgut.

Von zunehmenden Erfolg des Gießener Forums berichte Andrea Hager vom BUND-Kreisverband Gießen.
Einschließlich dieser jüngsten Informationsveranstaltung, während der wieder etliche Landwirte ihre Selbstverpflichtungserklärung abgaben, keine gentechnisch veränderten Organismen zu verwenden, sind nun 40 Landwirte mit rund 2000 Hektar aus der Gießener Region mit im Boot der offiziell Farbe bekennenden Gentechnik-Gegner.

Das Forum ist inzwischen mit seiner freigeschalteten Internetseite www.gentechnikfreie-region-giessen.de zu erreichen.

"Der Großteil des kommerziellen GVO-Einsatzes findet noch in den beiden Amerikas statt", umriss Schüler die aktuelle Lage. Die führenden Unternehmen der Agro-Industrie würden allerdings alles daran setzen, ihre Produkte über die Bauern in den Markt zu drücken, dabei werde vor drastischen Methoden nicht zurückgeschreckt.
Schüler nannte neben Monsanto und DuPont/Pioneer, beide USA, noch DowChemical, ebenfalls USA, Limagrain aus Frankreich, Bayer-Crop-Science, BASF und KWS aus Deutschland, Syngenta aus der Schweiz und Sumitomo aus Japan als die Spitzenunternehmen, die den Saatgutmarkt und den Pflanzschutzmarkt mit wechselseitigen Beziehungen unter sich aufteilen.

"Sie sollten sich einen Futtermittelsack oder einen mit Saatgetreide gut ansehen, bevor Sie ihn öffnen", erging die Warnung an die Landwirte. Denn es könne sein, dass allein durch das Öffnen der Landwirt einen Vertrag eingeht, der dem Hersteller alle Rechte gibt und dem Landwirt neben dem vollen Risiko auch noch eine nahezu lebenslange Abhängigkeit vom Hersteller. Das gelte gerade für gentechnisch verändertes Saatgut.



15.02.2008

„Trotz Novelle des Gentechnikgesetzes rät der Deutsche Bauernverband (DBV) vom GVO-Anbau ab“

DBV: Kennzeichnung von Lebensmitteln ist weder wahr noch klar

(Quelle:http://www.bauernverband.de/index.php?redid=152813&mid=205383)

Der Deutsche Bauernverband (DBV) bekräftigt anlässlich der am 15. Februar 2008 erfolgten Beschlussfassung des Bundesrates über die Novelle des Gentechnikgesetzes nach wie vor seine Ablehnung vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Auch die Bundesländer haben letztendlich ihre früheren durchaus sachgerechten Vorstellungen zur Haftungsregelung aufgegeben. Da weiterhin auch nach der Novellierung zum Beispiel die verschuldensunabhängige Haftung gelten wird, bleibt der DBV bei seiner ablehnenden Haltung, denn Landwirte sind danach trotz gesetzeskonformen Verhaltens einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt. Der DBV kritisiert, dass mit der Novelle versäumt wurde, auch die Saatgutindustrie in die Verantwortung zu nehmen.

Der DBV anerkennt, dass jetzt die Grundsätze zur guten fachlichen Praxis beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verankert wurden. Damit liege nunmehr eine Grundlage für die geforderte Koexistenz der verschiedenen Anbauformen und verbindlicher Informationspflichten einschließlich der verpflichtenden Aufklärung über die Rechtsfolgen zwischen benachbarten Landwirten vor. Unverständlich bleibt hingegen, dass unterschiedliche Abstände zwischen Anbauflächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Flächen ohne Gentechnik, je nachdem ob letztere konventionell oder ökologisch bewirtschaftet wurden, ohne wissenschaftliche Begründung beibehalten wurden.

Als Mogelpackung und untaugliches Instrument zur Verbraucheraufklärung wertet der DBV die Verwässerung der bisherigen strengen Regelung zur Kennzeichnung “Ohne Gentechnik“. Nach bisherigem Recht können sich die Verbraucher darauf verlassen, dass bei der Herstellung damit beworbener Produkte keine Gentechnik im gesamten Produktionsprozess zur Anwendung kam. In Zukunft muss der Verbraucher damit rechnen, dass Lebensmittel, die mit dem Siegel „Ohne Gentechnik“ beworben werden, dennoch unter Verwendung von Gentechnik in einzelnen Produktionsstufen hergestellt werden.



15.02.2008

Gentechnikgesetz
Bundesrat für neue Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel


Berlin - Der Bundesrat gab am Freitag trotz der Kritik unionsgeführter Länder an der neuen Kennzeichnung grünes Licht für das Gentechnikgesetz von Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU).

(Quelle: http://www.agrarheute.com/index.php?redid=205386)


Die Verbraucher können Milch, Fleisch und Eier beim Einkauf demnächst leichter als gentechnikfreie Lebensmittel erkennen. Das Gesetzespaket soll voraussichtlich im Frühjahr in Kraft treten.
Damit können tierische Lebensmittel auch dann als gentechnikfrei gekennzeichnet werden, wenn Futtermittel Zusätze enthalten, die durch gentechnische Verfahren hergestellt wurden.
Hessen und Baden-Württemberg halten dies für eine Verbrauchertäuschung. Sie scheiterten aber mit der Forderung, den Vermittlungsausschuss einzuschalten. Auch Nordrhein-Westfalen hatte die Anrufung wegen schärferer Regeln für den Genmais-Anbau verlangt.

Mit dem Gentechnikgesetz werden auch schärfere Regeln für den Anbau von Genmais eingeführt. Erstmals gelten Sicherheitsabstände zu gentechnisch verändertem Mais, die von 150 Meter zu konventionellem Mais bis 300 Meter zu Öko-Mais reichen.
Benachbarte Landwirte können die Abstände durch Absprachen unterschreiten. Ein Gen-Anbauer muss seinen Nachbarn aber darüber informieren und die Vereinbarung öffentlich anzeigen.

Genmais wird vor allem in Ostdeutschland angebaut und soll die Pflanze vor dem Schädling Maiszünsler schützen.

Der Naturschutzbund (NABU) forderte einen vorläufigen Anbaustopp für Genmais MON810 des Konzerns Monsanto und sieht die Artenvielfalt in Gefahr.
Eine Studie im Auftrag des Landesumweltamts Brandenburg habe ergeben, dass Pollen in großer Zahl in das Schutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch östlich von Berlin gelangt seien, teilte der NABU mit. Nötig seien Abstände von mehr als 1.000 Meter.

Die Linksfraktion im Bundestag warnte vor Gefahren für die gentechnikfreie Landwirtschaft und die Imkerei. "Die Agro-Gentechnik ist ein russisches Roulette", sagte Agrarpolitikerin Kirsten Tackmann (Linke).

Nordrhein-Westfalens Forschungsminister Andreas Pinkwart (FDP) befürchtet dagegen, dass die Pflanzenbiotechnologie durch das Gentechnikgesetz Schaden nimmt. Deshalb hatte das Land verlangt, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Seehofer hatte das Gesetz verteidigt und auf Bedenken in der Bevölkerung verwiesen. Die Forschung wird nach seiner Ansicht aber erleichtert.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zog eine gemischte Bilanz. "Die Verbraucher bekommen mit der Kennzeichnung "ohne Gentechnik" endlich eine erkennbare Wahlmöglichkeit zwischen tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern mit oder ohne Gentechnik", sagte BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. Er kritisierte aber, dass die Abstände zu Genmais ausgehebelt werden könnten. (dpa)



12.02.2008

Gegen die "Lizenz zum Gelddrucken"
"Zivilcourage Vogelsberg" lud zum Vortrag nach Maar ein - Warnung: "Patente auf Schwein und Milchkuh bedrohen Landwirte"


(Quelle: Gießener Anzeiger)

MAAR (rla). Bei der sechsten Informationsveranstaltung von Zivilcourage Vogelsberg in Maar zum Thema "Sensation, ich habe ein Schwein erfunden" freuten sich die Veranstalter wieder über ein volles Haus.
Über 100 Besucher, darunter viele Landwirte, wollten über Patente in der bäuerlichen Landwirtschaft aufgeklärt werden. Rasch erkannten Landwirte und Verbraucher eine weitere Bedrohung durch Monopolbestrebungen der Agrar-Konzerne, auch speziell für die Vogelsberger Region.

In seinem Eingangsstatement ging Peter Hamel, der Initiator von "Zivilcourage Vogelsberg", auf die aktuelle Situation der gentechnikfreien Region Vogelsberg ein. Im Vogelsbergkreis gibt es 13 gentechnikfreie Dörfer und Städte, und in 53 weiteren Orten gibt es gentechnikfreie Initiativen.
Fast 200 Landwirte haben ihre Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben und verzichten auf den Einsatz gentechnisch manipulierter Pflanzen. Darüber hinaus setzen sie in der Fütterung ihrer Tiere keine gentechnisch manipulierten Futtermittel ein.
Die 2007 gebildete Einkaufsgemeinschaft für gentechnikfreie Futtermittel, so Hamel, frage bereits über 4 800 Tonnen gentechnikfreie Futtermittel pro Jahr nach.

Kritisch sieht Hamel das neue Gentechnikgesetz. Es bringe eine weitere Einschleichung von genmanipulierten Pflanzen in die menschliche Nahrungskette. Lang angelegte Sicherheitsfragen und Bienen seien überhaupt nicht berücksichtigt.
Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnete er die neue Verordnung zur Kennzeichnung "Ohne Gentechnik". Allerdings sei diese Regelung nur ein Kompromiss. Damit werde eine große Lücke in der Kennzeichnung von Lebensmitteln geschlossen.
Nach bisherigem Recht erfolge keine Kennzeichnung von Milch, Fleisch und Eiern, auch wenn sie von Tieren stammten, die mit genmanipuliertem Futter gefüttert wurden.
"Das ist eine 100-prozentige Verbrauchertäuschung." Durch die neue Verordnung können Produkte mit dem Hinweis "Ohne Gentechnik" gekennzeichnet werden, wenn die Tiere nicht mit gentechnisch manipuliertem Futter ernährt wurden. Dadurch reduziere sich die "Verbrauchertäuschung" auf rund 0,01 Prozent.
Durch die neue Kennzeichnung können die Verbraucher auch bei tierischen Produkten frei wählen. Nicht gekennzeichnete Milch, Fleisch und Eier stammen von Tieren, die mit GMO gefüttert wurden, mit dem Hinweis "Ohne Gentechnik" gekennzeichnete Produkte kommen von Tieren, die ohne Gentechnik gefüttert wurden. Damit steige die Verbrauchersicherheit wieder an.

Genmanipulierte Tiere und Pflanzen sowie Patentierung auf Leben zeigten lediglich eine weitere dunkle Seite der Großkonzerne, um das weltweite Monopol auf Nahrungsmittel zu erreichen.
Die Notwendigkeit für eine bisherige Patenterteilung bestehe aus drei Punkten: Die Erfindung muss neu sein, es muss eine erfinderische Leistung dahinter stehen, und sie muss nützlich sein. Bei Patenten auf Leben seien in jedem Fall die ersten beiden Punkte nicht gegeben, der dritte Punkt sei meistens auch nicht erfüllt.

Christoph Zimmer, der Landwirt aus dem Film "Die arme Sau" aus Wolpertshausen (Baden-Württemberg), stellte durch einige Filmausschnitte den Anspruch der Firma "Monsanto" auf Schweinerassen in Deutschland und 159 weiteren Ländern der Welt dar. Dabei geht es nicht um Genmanipulationen beim Schwein.
Einzig und alleine würden Markergene beschrieben, die beispielsweise für eine höhere tägliche Zunahme, also größeres Fleischwachstum, mit verantwortlich sind. Die Selektion der Tiere nach dieser Methode wäre mit einer Lizenzgebühr zu begleichen, auch für alle Nachkommen müsste der Bauer einen Lizenzbeitrag an "Monsanto" abführen.
Zimmer führte weiter aus, dass rund drei Milliarden Eigenschaften durch Markergene gesteuert werden. Dadurch ergäbe sich eine unerschöpfliche Geldquelle für die Agrokonzerne, die diese Patente zur Monopolisierung nutzen. Leidtragende neben den Bauern wären die Verbraucher. Das Fatale daran sei, diese Markergene bei den Tieren läge seit Jahrtausenden vor.
Der Landwirt könne nicht beweisen, dass er nicht nach dieser Methode selektiert habe, um frei von Lizenzgebühren zu bleiben.
Zimmer rechnet mit einer riesigen Welle von Prozessen, die ein Multikonzern gegen viele kleine Bauern führen würde, um seine Lizenzforderungen einzutreiben. Beispiele genug gäbe es in den USA und Kanada bei genmanipuliertem Raps und Soja, wo der Landwirt immer der Schwächere sei und nur, um Prozessen aus dem Wege zu gehen, genmanipulierte Pflanzen anbaue.

Zimmer verwies weiter auf das "Kleingedruckte" in der Patentschrift. Das Patent greife bereits, wenn eine Genuntersuchung an mindestens einem Tier stattfinde, mindestens ein Marker an der genannten Stelle untersucht oder ein Tier ausgewählt werde, das dem Genotyp entspreche. "Also: Patente auf Leben sind eine Lizenz zum Gelddrucken."

Beängstigend werde es, wenn beispielsweise "Monsanto" behauptet, ein bestimmter Landwirt hätte nach dieser Methode gezüchtet und ihn verklagt. Zum Beweis werde ein Gentest durchgeführt, "und das, obwohl nach Zimmers Aussagen in Spitzenherden bereits 75 Prozent der Tiere die besagte Genkombination tragen". "Als Landwirt hätten wir keine Chance, das Gegenteil zu beweisen! Die Auswirkungen für die deutsche Landwirtschaft wären verheerend." Neben den Lizenzgebühren könnte ein Verbot der Anwendung ausgesprochen werden, also keine Schweinehaltung mehr stattfinden.

Das Monopol der Züchtung wäre vorbestimmt, alle Schweine müssten von Monsanto gekauft werden. Die Patentvorschriften könnten weiter verlangen, dass die Schweine nur noch mit "Monsantos" genmanipulierten Pflanzen gefüttert werden dürften.
Zimmer erklärte, er rechne mit der endgültigen Erteilung des Patentes bis Mitte 2008. "Politik, Landwirte, deren Vertretungen und Verbraucher sind aufgerufen, gegen dieses Patent vorzugehen."

In der anschließenden Diskussion wurde angeregt, eine öffentliche Petition in Berlin zu erreichen. Besonders kritisiert wurde, dass der Bauernverband nicht gegen das Milchkuh- und nicht gegen das Schweine-Patent Einspruch eingelegt habe. Begrüßt hingegen wurde, dass der BDM gegen das Milchkuh-Patent vorgegangen ist und Beschwerde eingelegt hat.

Abschließend ging Peter Hamel auf das im Januar 2007 erteilte Patent auf Milchkühe ein. Auch dabei wäre nicht gentechnisch verändert worden, sondern lediglich ein Markergen für hohe Milchleistung beschrieben worden. Nach Hamels Ansicht sei nichts gegen die Verwendung von Markergenen als Selektionshilfsmittel einzuwenden, sehr wohl aber etwas gegen deren Patentierung.
Weitere Infos unter www.zivilcourage-vogelsberg.de.





09.02.2008

"Es gibt keine friedliche Koexistenz mit der Gentechnik"
Widerstand formiert sich gegen wissenschaftliche Sortenprüfung der JLU in Rauischholzhausen - "Kräfte bündeln"


(Quelle: Gießener Anzeiger)

RAUISCHHOLZHAUSEN/GIESSEN (gec). "Es wird Krieg geben in den Dörfern", sagt Biobäuerin Annemarie Duske. "Es gibt keine friedliche Koexistenz mit der Gentechnik." Mehr als 300 Bürger haben sich am Donnerstagabend in Rauischholzhausen versammelt, um die Pläne der Justus-Liebig-Universität (JLU) zu durchkreuzen.
Das Uni-Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung will ab Ende April genmanipulierten Mais auf dem Versuchsgut Rauischholzhausen bei Marburg aussäen. Im Auftrag des Bundessortenamtes sollen Ertrag und Qualität geprüft werden.

Um dies zu verhindern, hat sich die Bürgerinitiative "Gentechnikfreie Region Marburg Biedenkopf" gegründet. Um eine solche Region auszurufen, muss sich die Mehrheit der Landwirte dazu verpflichten, gentechnikfrei zu arbeiten. Freilich hat die Aktion vor allem symbolische Wirkung. Dass sie Auswirkungen auf die geplanten Versuche hat, glaubt Josef Steinberger vom Bundessortenamt nicht. Für die Bürger aus Rauischholzhausen ist dies aber erst der Auftakt. Für Mitte Februar planen sie einen Protestmarsch über die Äcker. Zudem fordern sie die Universität Gießen in einer am Donnerstagabend verabschiedeten Resolution dazu auf, die geplanten Versuche abzubrechen.
"Wir brauchen keine Gentechnik in der Region", sagt der Vize-Landrat des Kreises Marburg-Biedenkopf, Karsten McGovern. "Wir müssen alle Kräfte bündeln, um diese bedrohliche Entwicklung zu stoppen", bestätigt der Marburger Bürgermeister Franz Kahle.

Die genmanipulierten Sorten, die in Rauischholzhausen ausgesät werden, enthalten ein Gift gegen den Maiszünsler, einen Schmetterling, der sich von Mais ernährt. Der Schädling lässt sich nach den Erfahrungen von Christian Schüler vom Fachgebiet Ökologischer Landbau der Universität Kassel aber auch biologisch mit Schlupfwespen sowie durch das Einhalten von geregelten Fruchtfolgen bekämpfen. Dagegen hätten die genmanipulierten Sorten Auswirkungen auf Bodeninsekten. Zudem bestehe eine größere Gefahr von Allergien.


"Geist aus der Flasche"

Dass nicht nur Biobauern gegen die Gentechnik sind, macht der konventionelle Landwirt Ludwig Rein deutlich. "Durch die Gentechnik soll der Geist aus der Flasche gelassen werden. Das will ich verhindern." Unterstützung hat er dabei von Erwin Koch vom Kreisbauernverband.

Der Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Prof. Wolfgang Friedt, war am Donnerstag verhindert. Er lädt die Bürger stattdessen zu einer Informationsveranstaltung am 19. Februar in Rauischholzhausen ein. Nur sechs der 60 Maissorten seien genmanipuliert, teilte der Wissenschaftler mit.
Mit seinen Versuchen unterstützt Friedt das Bundessortenamt bei der Zulassung neuer Sorten. Dabei werden die Maissorten deutscher und französischer Hersteller untersucht, die ein von dem umstrittenen US-Unternehmen Monsanto entwickeltes Gen enthalten. Um Pollenflug und damit mögliche Auskreuzungen zu verhindern, wird das Institut für Pflanzenbau die männlichen Blütenstände der gentechnisch veränderten Maispflanzen vor der Blüte entfernen. Auch die angemessenen Abstände würden eingehalten.




30.01.2008

Neue Kennzeichnungsverordnung "ohne Gentechnik":
Milch- und Fleischerzeugnisse in Hessen künftig ohne Gentechnik erzeugen

Bündnis "Keine Agrogentechnik auf Hessens Feldern und Tellern"

"Das Bündnis `Keine Agrogentechnik auf Hessens Feldern und Tellern´ begrüßt es, dass zukünftig die Möglichkeit besteht, Produkte von Tieren, die ohne gentechnisch verändertes Futter ernährt wurden, mit einem Label 'ohne Gentechnik' auszeichnen zu können", so Dietmar Groß, einer der Sprecher des Aktionsbündnisses. Damit erhielten die Verbraucher endlich die lang ersehnte Wahlfreiheit bei tierischen Produkten.

"Wir fordern dass die noch amtierende und die zukünftige hessische Landesregierung sowohl in der Agrarberatung als auch im Agrarmarketing deutliche Akzente für die Unterstützung einer gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung setzt und die Gründung gentechnikfreier Regionen aktiv unterstützt", so Groß.

Das hessische Bündnis 'Keine Agrogentechnik auf Hessens Feldern und Tellern' forderte die Marktakteure auf, bei der Erzeugung von Milch- und Fleischerzeugnissen künftig gezielt gentechnikfreie (GVO-freie) Futtermittel einzusetzen und die Produkte entsprechend auszuloben. "Die bewusste Entscheidung beim Futtermitteleinsatz auf Gentechnik zu verzichten trägt entscheidend dazu bei, dass Verbraucher und Bauern zukünftig wieder stärker über unsere Lebensmittel und deren Erzeugungsmethoden bestimmen können", begründet Dietmar Groß, Sprecher des Bündnisses diese Forderung.

Mit der Novelle der Gentec-Kennzeichnungsverordnung hatte die Bundesregierung kürzlich auf die Kritik an der Fütterung von Tieren reagiert. Bislang wurde beispielsweise der Einsatz von transgenem Sojaschrot bei der Erzeugung von Eiern, Fleisch und Milch verschleiert. Obwohl nach wie vor weltweit genügend GVO-freies Sojaschrot erzeugt werde, habe der Futtermittelhandel bislang kein Interesse an einer konsequenten Warenstromtrennung gezeigt. Bauern und Verbrauchern wurde suggeriert, es gäbe kein GVO-freies Futter mehr. Dies müsse sich nun ändern.

"Die GVO-freie Sojaschrotvariante P 48 gmo-free ist genügend auf dem Markt vorhanden. Da dieses Futtermittel eine deutlich bessere Eiweißqualität aufweist, wird der geringfügig höhere Preis weitestgehend neutralisiert. Über die gesamte Wertschöpfungskette bis in die Ladentheke wird sich diese bewusste Entscheidung für eine GVO-freie Erzeugung für alle Beteiligten positiv auswirken", ist Groß überzeugt. Gerade die bäuerliche Landwirtschaft und handwerklich/qualitätsorientiert ausgerichtete Unternehmen der hessischen Lebensmittelwirtschaft sollten die Chance nutzen.

Gleichzeitig rufen wir alle VerbraucherInnen auf, beim Einkauf gezielt nach GVO-frei erzeugten Lebensmitteln zu fragen. Diese Entscheidung mit dem Einkaufskorb ist für die Zukunft unserer Lebensmittelerzeugung künftig mindestens genauso wichtig wie umwelt- und verbraucherorientierte Entscheidungen der Politik.

Dietmar Groß (Tel.: 0 56 81 - 26 07), Martin Häusling, Michael Rothkegel (Sprecher des Bündnis)




29.01.2008

"Gentechnikfreie Regionen sichern Wahlfreiheit"

(Quelle: Giessener Anzeiger)

BUND-Vorstandsmitglied Andrea Hagel weist auf Auswirkungen für Verbraucher hin - "Geht nur um dickes Geld"

GIESSEN (kat). Ein Thema beherrschte im Frühjahr letzten Jahres Gießen: Die Gen-Versuchsfelder der Gießener Universität. Diese wurden von Gegnern der grünen Gentechnik zerstört.

Wie erst jüngst bekannt wurde, plant die Justus-Liebig-Universität auch in diesem Jahr wieder einen Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Mais. Aus diesem aktuellen Anlass hatte die Ortsgruppe Gießen des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland zu einem Vortrag mit der Gen-Technik-Expertin Andrea Hager eingeladen.
Sie ist Mitglied im Vorstand des BUND-Kreisverbandes. Im Rahmen der Vortragsreihe der AG Biotopschutz "Die Schlammspringer" informierte Andrea Hager die Zuhörer im Seminarraum des Uni-Hauptgebäudes über den aktuellen Stand der im vergangenen Jahr gegründeten "gentechnikfreien Region Gießens".

"Der Hauptpunkt ist der, dass es nur eine mangelhafte ökologische Begleitforschung, ein fehlendes Monitoring und kein standardisiertes Verfahren gibt. Das halte ich aber für unbedingt erforderlich", erläuterte die 45-jährige Landschaftsplanerin.In diesem Zusammenhang verwies sie einerseits auf die ökologischen Risiken für Pflanzen und Tiere, wie Resistenzbildung bei Unkraut sowie Fruchtbarkeitsstörungen und Einschränkung der biologischen Vielfalt. Weitere Gefahren seien andererseits gesundheitlicher Art. Zwar gebe es noch keine eindeutigen Aussagen über die Wirkung auf den Menschen. Tatsache sei jedoch, dass Umweltmediziner auf dem 99. Ärztetag im Jahre 1997 vor allergischen Reaktionen durch die neu eingeführten Proteine gewarnt hätten.

Auch in ökonomischer, sozialer oder sozio-ökonomischer Hinsicht gibt es laut Hager nur Risiken. "Anstatt einer erhofften Ertragssteigerung entsteht eine steigende ökonomische Abhängigkeit der Landwirte und der Versicherungsschutz fällt weg." Für die Expertin steht daher eindeutig fest: "Nur mit gentechnikfreien Regionen können Konflikte zwischen Nachbarn sowie Mehrkosten in der Produktion verhindert und Mensch und Umwelt vor Risiken der Gentechnik geschützt werden."
Zugleich werde dabei die Wahlfreiheit der Verbraucher gesichert und die Partnerschaft zwischen Bauern und Verbrauchern gefördert. "Denn es geht doch bei Gentechnik nur ums dicke Geld." Daher sei das angestrebte Ziel der "gentechnikfreien Regionen (GFR)" die "GVO-Freiheit landwirtschaftlicher Produkte und Wahlfreiheit der Verbraucher".

Seit Gründung der ersten GFR in Warbel-Recknitz im November 2003 seien mittlerweile 176 solcher Regionen beziehungsweise Initiativen und Kommunen dazugekommen. Bei einer Beteiligung von 27458 Landwirten ergebe sich daraus über 980 000 Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Dagegen habe sich das "Forum gentechnische Region Gießen" erst im letzten Jahr gebildet. Vertreten seien darin bisher 15 Landwirte und dementsprechend 40 000 Hektar (2,5 Prozent) gentechnik-freie Nutzfläche.
Ein ähnlicher Trend mache sich auch in anderen Ländern bemerkbar. "Mittlerweile sind 16 von 25 EU-Staaten GFR- Zonen", so Andrea Hagel. Darin seien Regionen in Frankreich, Polen, Italien und Großbritannien vertreten. Aber auch in den USA und Kanada gebe es jetzt einige GFR- Regionen.
Wie die Referentin abschließend betonte, könne man nur hoffen, "dass es in diesem Maße weiter geht und sich neue Regionen gründen werden".



7. Juli 2007

Vogelsberg: Schon über 10.000 ha per Einzelunterschrift gentechnikfrei

(Quelle: Zivilcourage-Vogelsberg)

Knapp ein halbes Jahr nach Gründung von Zivilcourage Vogelsberg verzichten schon über 170 Landwirte mit einer Gesamtfläche von über 10.000 ha per Unterschrift freiwillig auf den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Ebenso setzen sie keine gentechnisch veränderten Futtermittel ein.
Immer mehr Landwirte im Vogelsberg erkennen, daß sie durch die Agrogentechnik keine Vorteile erlangen können. Im Gegenteil, weil über 75 % der Verbraucher keine Gentechnik in Lebensmittel wollen, sehen die Vogelsberger Landwirte eher ein Verschlechterung ihrer Vermarktungschanchen wenn sie Gentechnik einsetzen würden.

Bis Ende Juni gibt es im Vogelsberg bereits 9 gentechnkfreie Regionen und weitere 44 Dörfer und Vogelsbergstädtchen in denen sich gentechnikfreie Initiativen gebildet haben. Die Landwirte haben außerdem eine Einkaufsgemeinschaft für gentechnikfreie Futtermittel gegründet und fragen bereits über 3000 Jahrestonnen an gentechnikfreiem Futter nach. Erfreulich ist, daß im Landkreis Fulda eine Initative für einen gentechnikfreien Landkreis Fulda im entstehen ist. Ebenso gibt es erste Anzeichen einer solchen Bemühung im Landkreis Gießen, im Schwalm-Eder-Kreis und in der Region Wolfhagen/Kassel.



13.10.2003

Aktionsbündnis "Keine Gentechnik auf Hessens Feldern und in Hessens Lebensmitteln"

Am 13. Oktober 2003 schlossen sich Umweltverbände, Ökoanbau-Verbände und verschiedene Einzelhändler zu dem Aktionsbündnis zusammen und verabschiedeten die "Wiesbadener Erklärung".

Das hessische Bündnis sieht die Notwendigkeit, auch in Hessen eine Landwirtschaft ohne Gentechnik beizubehalten. Die kleinräumigen hessischen Strukturen ließen keine Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik zu, ohne das Risiko einzugehen, dass sich gentechnisch veränderte Organismen (GVO) auch auf die Felder ausbreiten, die eigentlich gentechnikfrei bleiben sollen.

Kontakt:

Michael Rothkegel
Geschäftsführer des BUND Hessen
Tel. 069/67737612
michael.rothkegel(at)bund-hessen.de



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Selbstverpflichtungs- erklärung für Landwirte
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GFR Giessen Flyer
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  September 2007, Gentechnikfreie Region Landkreis Gießen