Gentechnikfreie Region Gießen
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Gentechnik in der Landwirtschaft

Seit Ende 2004 steht es allen Landwirten in der EU frei, genverändertes Maissaatgut zu erwerben und auf ihren Äckern auszubringen. Ob sie es tun, ist eine andere Frage. Denn der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen stößt bei Landwirten, Gärtnern, Imkern und Verbrauchern auf große Ablehnung. Kein Wunder:

Der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft

  • führt zu keiner Ertragssteigerung.

  • fördert die Zunahme großflächiger Monokulturen.

  • steigert den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bereits nach wenigen Jahren.

  • bedroht die Artenvielfalt auf und neben dem Acker.

  • begünstigt „Superunkräuter“, die sich nur noch durch den Einsatz größerer Mengen von Unkrautvernichtungsmitteln bekämpfen lassen.

  • bringt Lebensmittel hervor, deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit nicht geklärt sind und die Verbraucher nicht wollen.

  • bedeutet mittelfristig das Aus für eine gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.

  • zwingt Landwirte unfreiwillig zum Kauf gentechnisch veränderter Futtermittel, weil der Futtermittelhandel bei einem Anteil von ca. 55 Prozent weltweitem Sojaanbau keine ausreichenden Mengen an gentechfreiem Soja zu akzeptablen Preisen anbietet und macht Landwirte über die Patentierung von Pflanzen abhängig von einer Handvoll multinationaler Konzerne.



Gentechnikfreie Landwirtschaft in Gefahr

Die so genannte „Koexistenz“ von konventioneller, biologischer und Gentech-Landwirtschaft kann sich sehr schnell als unmöglich erweisen. Fest steht schon jetzt: Wenn es dazu kommen sollte, dass gentechnisch veränderte Pflanzen in großem Stil angebaut werden, steigen Aufwand und Kosten, Vermischungen zu vermeiden. Gentechnische Verunreinigungen könnten von der Ausnahme zur Regel werden. Ob im Saatgut, auf dem Feld, über gemeinsame Maschinennutzung bei Aussaat und Ernte, während Lagerung, Transport und Verarbeitung – das Risiko gentechnischer Verunreinigungen ist allgegenwärtig.


Das neue Gentechnikgesetz enthält zahlreiche Vorschriften zum Schutz einer gentechnikfreien Landwirtschaft, löst aber – auch wegen EU-Vorgaben – längst nicht alle Probleme:

  • Ein Landwirt, der gentechnisch verändertes Saatgut ausbringt, braucht seine Nachbarn darüber nicht zu informieren. Landwirte müssen im Internet unter www.bvl.bund.de/standortregister.htm selbst recherchieren, um herauszufinden, ob sich in der Nähe ihrer Felder Gentech-Anbauflächen befinden.


  • Ein Landwirt, dessen Ernte verunreinigt wurde, bekommt nach gewonnenem Prozess gegen seinen Nachbarn zwar die Erlösdifferenz zwischen kennzeichnungspflichtiger und nicht kennzeich-nungspflichtiger Ware zurückerstattet. Er muss aber damit rechnen, dass sein Abnehmer bestehende Lieferverträge kündigt.


  • Ungeklärt ist, wie Gerichte mit Verunreinigungen unterhalb von 0,9 Prozent verfahren – dem Wert, der die Kennzeichnungspflicht auslöst. Diese Frage ist für Landwirte existentiell, die ihren Abnehmern zur Lieferung gentechnikfreier Ware verpflichtet sind
    Die Rechtsanwaltskosten müssen vom Klage führenden Landwirt vorgestreckt werden. Wie lange ein Prozess dauert und wann die Entschädigung geleistet wird, ist offen.



Warum Gentechnikfreie Region Gießen?

  1. Gentechnikfreie Regionen fördern die Partnerschaft zwischen Bauern und Verbrauchern

    Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel. Landwirte wollen marktorientiert wirtschaften und sich das Vertrauen der VerbraucherInnen auch in Zukunft sichern. Gelingen wird ihnen dies auf Dauer jedoch nur dann, wenn sie durch das Wirtschaften in gentechnikfreien Regionen Verunreinigungen ihrer Ernten verhindern können.



  2. Gentechnikfreie Regionen sichern die Wahlfreiheit

    Landwirte und Lebensmittelproduzenten sollen auch zukünftig gentechnikfrei produzieren, Verbraucher nicht allein die Wahl zwischen mehr oder weniger verunreinigten Produkten haben. Die freie Wahl der Produktionsweise und Lebensmittel kann nur dann gesichert werden, wenn die biologische und konventionelle Produktion ohne Gentech-Verunreinigung möglich bleibt.



  3. Gentechnikfreie Regionen verhindern Konflikte zwischen Nachbarn

    Das Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik wird eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten unter Landwirten auslösen. Bisher ist keine Versicherung bereit, das mit der Agro-Gentechnik verbundene Haftungsrisiko zu übernehmen.



  4. Gentechnikfreie Regionen erhalten die bäuerliche Unabhängigkeit

    Gentechnisch veränderte Sorten unterliegen dem Patentschutz. Der seit jeher übliche eigene Nachbau von Saatgut ist dann nur noch nach Genehmigung des Patentinhabers und Bezahlung von Lizenzgebühren möglich.



  5. Gentechnikfreie Regionen verhindern Mehrkosten in der Produktion

    Das Nebeneinander einer Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik wird gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten viel Mehraufwand verursachen, besonders in Bundesländern mit kleinen Flächenstrukturen. Sie müssen Abstandsregeln einhalten, Anbaupläne absprechen und ihre Erzeugnisse strikt trennen.



  6. Gentechnikfreie Regionen sichern Einnahmen und schaffen Planungssicherheit

    Ein Biobauer kann seine Produkte nicht mehr als „Bio“ vermarkten. Und er läuft Gefahr, seine Ökozertifikat zu verlieren. Der konventionelle Landwirt kann seine Ernte nach einer Verunreinigung nur noch unter Preis verkaufen. Denn inzwischen bestehen fast alle großen Supermarktketten in Deutschland auf der Lieferung gentechnikfreier Rohstoffe, weil die Verbraucher es so wollen.



  7. Gentechnikfreie Regionen erschließen und erhalten neue Absatzmärkte

    Gentechnikfreie Regionen erhalten bestehende und erschließen neue Absatzmärkte für hochwertige Erzeugnisse. Weil es so gut wie keinen kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU gibt, verfügt die hiesige Landwirtschaft zur Zeit noch über einen großen Wettbewerbsvorteil. Sie kann die Nachfrage nach garantiert gentechnikfreien Produkten befriedigen.



  8. Gentechnikfreie Regionen erhalten den Wert des Bodens

    Samen von Gentech-Pflanzen können über Jahre hinweg im Boden verbleiben und eine gentechnikfreie Produktion über längere Zeit verhindern. Deshalb haben fast alle evangelischen Landeskirchen ihren Gemeinden empfohlen, auf ihren Flächen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu untersagen.



  9. Gentechnikfreie Regionen schützen Mensch und Umwelt vor den Risiken der Gentechnik.

    Die ökologischen Folgen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen sind nicht abschätzbar, die Auswirkungen des Verzehrs genveränderter Lebensmittel auf die menschliche Gesundheit nicht geklärt. Den Risiken steht keinerlei Nutzen gegenüber.





10 Mythen der Gentechnik


1. Agro-Gentechnik ist ein wirtschaftlicher Erfolg und befindet sich längst auf dem Siegeszug

Nur 4,5 Prozent der Weltanbaufläche sind mit gentechnisch veränderten (GV) Sorten bebaut, davon 85 Prozent in den USA und Argentinien. Damit sind lediglich 0,68 Prozent der Weltanbaufläche außerhalb der USA und Argentiniens betroffen. Diese liegen wiederum nahezu vollständig in Kanada, Brasilien und China (14 Prozent des GVO-Anbaus). Daraus ergibt sich ein GVO-Anbauanteil in den anderen 190 Staaten von unter 0,05 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Der GVO-Anbau konzentriert sich zu 99 Prozent auf Soja, Mais, Baumwolle und Raps, die herbizid-resistent (75 Prozent = unempfindlich gegen Unkrautvernichtungsmittel), insektenresistent (17 Prozent = unempfindlich gegen Schadinsekten) oder herbizid- und insektenresistent (8 Prozent) sind.


2. Irren ist menschlich: Sicherheit der Verbraucher

Die Firma Syngenta hat seit Mitte der 90er Jahre zwei Sorten GV-Mais vertauscht, was niemandem auffiel. Die EU hat noch nicht einmal Methoden, um die beiden Sorten zu unterscheiden, von denen eine (Bt10) eine verbotene Antibiotikaresistenz (gegen Ampicillin) besitzt. Der wirtschaftliche Schaden für Syngenta ist immens. Von neun Millionen Tonnen importiertem Tierfuttermittel werden gerade mal 600 Proben genommen. Sichere Kontrolle? 80 Prozent aller GV-Nutzpflanzen werden zu Tierfutter verarbeitet. Fleisch, Eier und Milch der Tiere, die mit GVO gefüttert werden, müssen jedoch nicht gekennzeichnet werden. Somit kann der Verbraucher nicht entscheiden, ob er dies essen will oder nicht.

Star Link (Aventis), ein GV-Mais, der nur als Futtermittel zugelassen wurde, tauchte im Jahr 2000 in über 300 US-amerikanischen Produkten auf und verursachte bei empfindlichen Personen einen allergischen, lebensbedrohlichen Schock. Die Futtermittelindustrie hatte eine Trennung des GV-Maises vorgeschrieben, wohl wissend, dass es dafür gar kein funktionierendes System gibt.


3. Genmanipulierte Nahrung ist unbedenklich?!?

Die Anzahl der Allergien steigt weltweit an, Kinder sind besonders empfindlich. Gentechnik kann auf drei Wegen ein normales Nahrungsmittel in ein potenziell gefährliches Allergen verwandeln:

a) Der Gehalt an natürlich vorkommenden Allergenen kann erhöht werden.

b) Durch Gentransfer von einem Nahrungsmittel auf ein anderes können allergene Eigenschaften mit übertragen werden.

c) Unbekannte Allergene können aus fremden Genen und Proteinen stammen, die es nie zuvor in der menschlichen Nahrung gegeben hat.


4. Gentechnikfreies Saatgut

In einer Lieferung konventionellen Mais-Saatgutes der Firma Pioneer haben hessische Behörden dieses Jahr deutliche Mengen an GV-Körnern gefunden. Das Saatgut konnte rechtzeitig zurückgezogen werden, denn sonst hätten die Bauern illegal Genmais angebaut. Noch immer gibt es keine europäische Entscheidung zur Reinheit des Saatgutes. Dieses sollte nach Auffassung des NABU frei – höchstens 0,1 Prozent Verunreinigung – von GVO sein, um eine schleichende und nicht zu kontrollierende Kontamination zu verhindern.

5. Der Anbau transgener Pflanzen schont die Umwelt?!?

Versprochen war, dass der Pestizideinsatz sinken würde. Die Realität zeigt aber, dass der Pestizideinsatz binnen neun Jahren um mehr als 10 Prozent gestiegen ist und sich zudem noch resistente Superunkräuter entwickelt haben, wie etwa Raps, der gegen drei verschiedene Unkrautbekämpfungsmittel in Kanada unempfindlich wurde. Rapssamen bleiben im Boden über zehn Jahre keimfähig und wachsen immer wieder durch; sie müssen dann mit noch härteren Mitteln bekämpft werden. Ähnliche Probleme werden von Soja in Südamerika berichtet. Neueste Studien aus England zeigen, dass der Anbau von winterhartem GV-Raps erhebliche negative Folgen für die Artenvielfalt hat. Der Einsatz des Breitbandherbizides führt dazu, dass über die Hälfte der Schmetterlinge deutlich geschädigt werden, große Einbrüche bei Bienen und Erdhummeln zu verzeichnen sind und zudem 30 Prozent weniger Futterpflanzen für Vögel im Vergleich zu konventionellen Feldern existieren. Bereits auf konventionellen Äckern ist der Tisch für Vögel nicht reich gedeckt, doch finden sie noch viel weniger Nahrung auf GV-Flächen. Da sich das Samenangebot im Boden nachhaltig verringert, hält der Mangel über Jahre an.

„Wenn diese Saat kommerzialisiert würde, würde sich das auf Vögel wie Sperlinge und Gimpel auswirken", so ein Experte des britischen Projektes. Sogar das Aussterben der Feldlerche innerhalb von 20 Jahren lässt sich beim Anbau von GV-Zuckerrüben prognostizieren. Es ist erwiesen, dass GV-Sorten in signifikanter Weise in herkömmliche Sorten oder Wildarten auskreuzen und die biologische Vielfalt beeinträchtigen.


6. Höhere Erträge?!?

Herbizidresistente Baumwolle von Monsanto zeigte beim großflächigen Anbau in den USA unerwartete Probleme. Die einen GV-Pflanzen warfen die Baumwollkapseln ab, die anderen starben beim Kontakt mit dem Unkrautvernichtungsmittel, gegen das sie eigentlich resistent sein sollten. Viele Farmer hatten Probleme mit Keimung, ungleichmäßigem Wachstum, geringen Erträgen etc. Zusätzlich sind auch hier Resistenzen zu erwarten, die den Ertrag mindern werden. In Indien brachen die Erträge bei GV-Baumwolle bis zu 75 Prozent ein und brachten die Bauern in den Ruin. Das GV-Saatgut ist viermal so teuer wie konventionelles.


7. Gewinne für die Bauern?!?

Gentechnik ist eine Rationalisierungstechnologie, die sich nur für große, hochindustrialisierte Betriebe rechnet. Nicht zufällig sieht man den Fokus des diesjährigen Genmais-Anbaus auf den ehemaligen LPG-Flächen im Nordosten Deutschlands. Die vier weltweit tätigen Agrochemiekonzerne DuPont, Syngenta, Monsanto und Bayer bestimmen heute weitgehend die Forschung und Entwicklung sowie die Vermarktung von transgenen Pflanzen. Sie besitzen 90 Prozent der bisher kommerzialisierten Pflanzen, nennen mehr als die Hälfte der Patente auf transgene Pflanzen ihr Eigentum und sind für 56 Prozent der Forschung und Entwicklung im Bereich der Agro-Gentechnik verantwortlich. Studien aus den USA und Argentinien zeigen, dass Agro-Gentechnik die wirtschaftliche Unabhängigkeit kleiner und mittlerer Landwirtschaftsbetriebe zum Beispiel durch das Patentrecht gefährdet.


8. Boom der Biotech-Industrie?!?

Weit entfernt davon, Jobmotor zu sein, wird die Branche völlig überbewertet. Umsatzrückgänge, Pleiten und Stellenabbau kennzeichnen die Biotech-Branche. Es gibt nur wenige Arbeitsplätze, annähernd 1500 in rund 40 Unternehmen. Diese Zahl ist durch die Konzentration der Branche eher abnehmend. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck auf die rund 50 deutschen Saatzuchtunternehmen. Start-up Biotechnologiefirmen spielen im kommerziellen Aneignungsprozess der Agro-Gentechnik bislang nur eine untergeordnete Rolle. Viele Arbeitsplätze, insbesondere im Forschungsbereich und bei Start Up-Unternehmen, werden von der Bundesregierung hoch subventioniert. Der Trend zu rückläufiger Beschäftigung in der Landwirtschaft wird durch den Einsatz der Agro-Gentechnik nicht beendet. Im Gegenteil: Der Einsatz von GV-Saatgut ist eine Rationalisierungstechnologie und baut Arbeitsplätze ab.

Nach Angaben des Wirtschaftprüfungsinstitutes Ernst & Young beläuft sich der Gesamtjahresumsatz der Biotech-Branche auf 960 Millionen Euro, davon nur 13 Prozent im Bereich der Agro-Gentechnik. Der größte Teil davon geht ironischerweise in die Analytik, das heißt in die Diagnostik von Lebensmitteln für Menschen, die keine Gentechnik wollen. Dagegen steigt der Markt für ökologische Lebensmittel und die damit verbundenen Arbeitsplätze stetig an. Der Absatz von Bioprodukten hat sich seit 1997 mehr als verdoppelt. Der Gesamtumsatz der Bio-Branche betrug letztes Jahr 3,5 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahrzehnt wurden in der Branche 75.000 Arbeitsplätze geschaffen.


9. Demokratische Kontrolle

Weltweit arbeiten rund 90 Prozent der Forscher im Dienst der Industrie. Die Zulassungen der gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA und der EU erfolgen allein auf der Grundlage von Firmendaten. Diese werden von Fachgremien beurteilt, deren Entscheidungsgrundlagen nirgendwo diskutiert werden. Wer legt fest, welches Vorsorgeniveau herrschen soll, ob das Vergleichsystem der konventionelle Landbau oder die nachhaltige, ökologische Landwirtschaft ist? Was ist ein ökologischer Schaden? Welchen Wert haben Natur und Biodiversität? Die „Triple Helix“ aus Regierung, Industrie und Forschung organisiert und regelt die Entwicklung der Agro-Gentechnik allein und weitab von einer demokratischen Kontrolle. Da somit die Gefahr besteht, dass die Entscheidungsträger Warnungen aus kurzfristigen Gründen willentlich ignorieren, dürfte das System kaum geeignet sein, öffentliche Güter wie die biologische Vielfalt zu schützen, denn: Biodiversität lässt sich nicht monetarisieren.


10. Gute Aussichten?!?

Auswirkungen auf Lebensräume und Landschaften dürfte auch die geplante Bioökonomie haben. Die Gentech-Industrie, die EU-Kommission und verschiedene öffentliche Forschungsinstitute entwickeln zurzeit ein langfristiges Forschungsprogramm, mit dem sie die europäische Wirtschaft mit Hilfe von Pflanzengenomforschung und Gentechnologie schrittweise auf eine Bioökonomie umstellen wollen. Nach dem Willen der EU-Experten soll die industrielle Produktion von Waren und Dienstleistungen nicht mehr auf fossilen, sondern auf biologischen Rohstoffen beruhen. Ist das Forschungsprogramm erfolgreich, dürften viele neue transgene Pflanzen entstehen, die Medikamente und Chemikalien oder Rohstoffe für den Energiebedarf produzieren. Damit kommt es zu erheblichen und unabsehbaren Auswirkungen für die Biodiversität, wie folgende Beispiele zeigen: Da Stilllegungsflächen mit Energiepflanzen angebaut werden dürfen, gehen so bislang ungenutzte Brachen verloren. Eine weitere Technologisierung der Landwirtschaft und immer wirksamere Unkrautbekämpfungsmittel vernichten noch mehr Unkräuter, die jedoch die Futtergrundlage der Feldvögel sind. Wertvolle, regional angepasste Züchtungen gehen verloren, stattdessen stehen überall die gleichen Sorten auf den Feldern.

(Quelle NABU 11.2005)




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